Presse
»DER PROZESS« (JVA Charlottenburg | 2011)
“Weil sich reale und fiktive Elemente in diesem »Prozess« vermischen, geht dem Zuschauer die Orientierung ähnlich verloren wie dem Protagonisten Josef K. in der literarischen Vorlage. Obwohl Moras und Minkowski den komplex konstruierten Roman auf eine Revue-Fassung kondensierten, die dank der Originalität der Akteure auch Gelächter provoziert, werden sie ihm dennoch gerecht. Kafka kann Spaß machen – das ist die vielleicht verblüffendste Erkenntnis dieses Abends. Neuigkeitswert hat auch die Tatsache, dass das Regieduo die logistische Kompetenz der Knasttheatergruppe aufBruch nutzen konnte und aufBruch selbst sich mit dieser neuen Produktionsform ästhetisch anders positioniert. »Das ist eine Win-win-Situation für alle«, meint Minkowski. Dem ist, auch bezogen auf die Zuschauer, zuzustimmen” (Neues Deutschland, 28.11.2011)
“Der einzige mediale Einsatz ist ein Keyboard und eine Videoprojektion an der hinteren Bühnenwand, die Einblick gewährt und Transparenz schafft. Vitaly fragt sich, um was es in dem Stück eigentlich geht, denn „ich verstehe das ganze Stück einfach nicht. Warum fickt der Opa in der einen Szene die Wand?“. Diese Darsteller müssen sich nicht verstecken, auch wenn sie dies momentan Tag ein Tag aus hinter den Mauern der JVA Charlottenburg machen müssen. Das Stück ist so gut wie seine Schauspieler und diese berühren mit ihrer Authentizität.” (www.artberlin.de, 24.11.2011)
“Auch Ugur Türün hat das Zeug zum Profischauspieler. Sein türkisch-deutscher Mutterwitz verhilft dem Stück zu Volksnähe und läßt das Publikum toben. Als Kafkas aus dem »Prozeß« abgeleitete Novelle vom Türsteher zitiert wird, empört sich Türün: »Ja, da hat ihn dann doch der Türsteher betrogen!« »Nein, das verstehst du nicht, das ist anders gemeint, so kann man das nicht sagen.« »Na klar, Mann, da hat ihn der Türsteher betrogen!« Das könnte eine Auslegung im Sinne Kafkas sein, der diesseits von literarischen Symposien verstanden werden wollte. Die Mühsal der Entrechteten hat er geschildert, ihr Ausgeliefertsein angeprangert. Und als Jurist in seiner Versicherungsanstalt versuchte er, Arbeitsschutzgesetze für Industriearbeiter durchzusetzen, wie sie gerade wieder Stück für Stück abgeschafft werden. Wie sollte Kafka da nicht aktuell sein?” (Tageszeitung Junge Welt, 5.12.2011)
“Ein Chance, laut Arschloch, Fotze und Ficken zu schreien, auf deutsche, auf türkische, auf menschliche Borniertheiten bestimmende Lebenslagen zu schimpfen und sich danach eben nicht abzustechen, sondern die Hand zu geben, sich zu gratulieren, dass man da als Mensch doch ein Stück weitergekommen ist. Und sei es nur das Stück aus der grauen Zellentristesse heraus. Ganz großes Theater.” (www.sounds-like-me.com, 5.12.2011)
“Die meisten Darsteller spielen zum ersten Mal Theater. Atwy stand schon einmal in der Grundschule auf der Bühne. Sie alle agieren, als wären sie Profis. „Leider ist es genau dieses Talent, das einige von ihnen hier hineingebracht hat“, sagt Anstaltsleiter Robert Savickas.” (Märkische Allgemeine, 2.12.2011)
Berliner Rundfunk
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SWR 2
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Multicult Fm
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»INVASION!« (Luzerner Theater | 2011)
»Ein Theatererlebnis, das eine breite Palette von Empfindungen und Eindrücken bedient, beginnt. Mal ist man peinlich berührt, oder gar etwas genervt, wie als zwei Migranten wahllos Leute aus dem Publikum ansprechen, anmachen oder beleidigen. […] Die Veranstaltung war ausverkauft. Dies prophezeihe ich auch für die restlichen. […] ‹Invasion› ist ein dramatisches Euphorikum, das man sich reinhauen sollte!» www.kulturteil.ch, 20.5.2011« (PABLO HALLER | 20.05.2011 | www.kulturteil.ch)
»Das Luzerner Theater wartet mit einem neuen, grossartigen Stück zur Integrationsdebatte auf. ‹Invasion› ist ein genialer Theaterabend.[…] Knapp 90 Minuten beste Unterhaltung, Spannung, Sprachwitz aber auch Tiefgang, Verzweiflung und Empörung machen ‹Invasion› zu einem der gegenwärtig knackigsten Theaterabende zwischen Bellinzona und Basel. […] Die Erzählstränge verlaufen raffiniert, werden übereinander gelegt, ineinander verflochten und prallen doch immer wieder aufeinander. Intensiv! Hervorragende Schauspieler bieten ein hervorragendes Stück. Insbesondere Daniela Britt könnte man gut und gerne noch zwei weitere Stunden zusehen und zuhören. Aber auch die drei ‹Jungs› Nicolas Batthyany, Hans-Caspar Gattiker und Hajo Tuschy treiben ‹Invasion› mit ihrer Schauspielkunst gekonnt voran. […] Theater in seiner Bestform!« (ART-TV, 20.05.2011)
»Darsteller rauschen rasant durch lose verwobene Szenen. Leitmotiv und Leerstelle ist ein arabischer Name: Abulkasem.[…] Und wenn dann der bravouröse Hajo Tuschy als Prolet im pinkfarbenen Pornohemd eine ‘Söder-Frau’ anbaggert, eine Studentin aus dem trendigen Stadtteil Södermalm, dann ist das ‘Koma Abulkasem’. (Basler Zeitung, 20.5.2011)
»Sein Stück «Invasion!» handelt von entgleitenden Identitäten, von der Konfrontation des Fremden mit dem Eigenen, konfrontiert mit Klischees und Vorurteilen. Es zeigt die alltägliche Geburt von Paranoia und die Arroganz der Selbstbehauptung.[…] Der polnische Regisseur Krzysztof Minkowski (30) hat das Stück auf der Bühne von Konrad Schaller und in den Kostümen von Birgit Künzler als fulminant witziges Spiel mit falschem Sein und wahrem Schein inszeniert. […] Die vier Schauspieler, allen voran die hinreissende Daniela Britt, glänzen in wechselnden Rollen und verblüffen mit bodenlos witzigen Spiegelfechtereien zwischen Täuschung und Entdeckung. Sie zielen aufs Publikum und werfen mit Schimpfwörtern um sich, dass es keine Art hat: Dieser bedrängende Spass ist ein böser Kampf, die Moral des Lehrstücks ist das Erschrecken.« (Neue Luzerner Zeitung, 20.5.2011)
»Die Gratwanderung zwischen Satire und Drama gelingt, nicht zuletzt dank der hervorragenden Leistung der Schauspieler des Luzerner Theaters. Nur zu viert teilen sie sich die verschiedenen Rollen, hüpfen leicht und überzeugend von der einen zur anderen Figur. Die Inszenierung des Gastregisseurs Krzysztof Minkowski ist bescheiden gehalten und gerade deswegen stark. Sie lässt dem Stück und den Schauspielern allen Platz, sich zu entfalten.« (SRDRS, Regionaljournal Zentralschweiz, 19.5.2011)
»Europa und den Off-Broadway hat Jonas Hassen Khemiris «Invasion!» schon erobert, nun ist das Stück am Mittwoch im Theater Luzern zur Schweizer Erstaufführung gelangt: eine raffiniert-witzige Farce über Terror-Paranoia und die Gruppendynamik unter jungen Immigranten.[…] Nach dieser munteren, hochkomischen Szene, schliesst ein trauriger Monolog über Mustafas weiteres Schicksal den Abend ab. Allein schon mit dieser Überführung der Stimmung von übermütig in nachdenklich beweist der schwedisch-tunesische Autor sein gutes Gespür für dramatischen Rhythmus.« (SDA, 19.5.2011)
»Dramatiker Jonas Hassen Khemiri aus Stockholm ist Sohn einer schwedischen Mutter und eines tunesischen Vaters. In seinem Stück «Invasion!» mixt er virtuos die Erfahrungen eines Jugendlichen mit Migrationshintergrund mit den gängigen Klischees die über den Islam, Kopftücher, Parabolantennen und terroristische Einheiten kursieren. Dabei nimmt Khemiri nicht nur sich selbst und die Absichten integrationswilliger Gesellschaften auf die Schippe, sondern auch das Theater selbst. […] «Invasion!» ist ein scharfsinniger, abgründiger Text. In den Dialogen knallig und plakativ entwickelt Khemiris Sprache fast eine lyrische Wucht. Davor scheint man am Luzerner Theater fast gut gelaunt zu kapitulieren. Krzysztof Minkowskis Inszenierung bietet viel Schabernack und Secondo-Slang à Diskretion.« (DRS 2, aktuell, 19.5.2011)
»ILIAS« (Heimathafen Neukölln | 2010)
»Es ist kein Mitleidstheater, kein Ausstellen von „Opfern“, da werden Parallelen gefunden zwischen der Antike und der Gegenwart, Laien und Profis sind so gut zusammen, wie es selten der Fall ist und alles wird gezeigt, wie es wohl immer ist: der Krieg und Angst und Vertreibung und Verlust, aber dazwischen wird gesoffen und getanzt und geweint und immer noch erzählt und immer noch gelacht und immer noch geliebt.« (LAURA NAUMANN | 16.07.2010| Kaltstart Festivalzeitung)
»Troja vernichten, lautet Agamemnons Befehl. Zu Rumba feiert ausschweifend dort die Königsfamilie. Man hasst Helena, erfährt man, weil bereits Tausende ihretwegen starben. Paris beruft sich auf Liebe als Grund für seinen Raub, Helena als Mann in Verkleidung sieht dümmlich weniger Spannungen in der Familie – während die ihr Getränke ins Gesicht gießt. Spätestens hier greift ein Stückkonzept, das Parallelen zwischen dem Krieg um Troja und einem der unsinnigsten Kriege des 20. Jahrhunderts sieht: dem im früheren Jugoslawien. Helena lebt plötzlich ebenso als Fremde in einer Mischehe, wie es sie auf dem Balkan lange friedvoll unter Serben, Kroaten, Bosniern gab. Vertrauensbruch, schreit Helena, treibt Paris zur Rettung der Stadt in den Kampf. […] Selbst wenn die Inszenierung modische Klischees feiert, etwa Reden ins Mikrofon, um das Wort zur amtlichen Verlautbarung zu erheben, verleiht sie doch dem antiken Mythos eine brisante Aktualität. Authentisch wird sie durch jene Amateuraktricen um die 50, die Krieg am eigenen Leib erfahren, nach Verlust des Ehemanns und abenteuerlicher Flucht in Berlin eine neue Bleibe gefunden haben. Die »Ilias« in dieser Lesart ist Anklage von Krieg schlechthin.« (VOLKMAR DRAEGER | 30.03.2010 | Neues Deutschland)
»Im Gegensatz zu den Soldaten, die mit professionellen Schauspielern besetzt die Szene beherrschen und souverän zwischen Versmaß und Alltagsslang switchen, bleiben die Bosnierinnen fremd auf dem Kriegsschauplatz wie auf der Bühne. […] Das aber reicht nicht, auch wenn es ja nie so ist, wie immer wieder behauptet wird, dass Laien nur auf die Bühne gestellt werden, um Authentizität zu garantieren. Im Gegenteil verleihen sie immer zuallererst die ganzen Künstlichkeiten der Bühne in schöne, spröde Sichtbarkeit.« (DORIS MEIERHENRICH | 01.04.2010 | Berliner Zeitung)
»Verbrechen und Strafe I« (JVA Pankow | Ballhaus Ost Berlin | 2009)
Motor Fm
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»Gesänge aus 1001 deutschen Nacht« (Anhaltisches Theater Dessau | 2009)
»Die furchtlose Freude, mit der Susanne Hessel und Lisa Kudoke, Mario Janisch, Jan Kersjes und Mattieu Svetchine gegen die Leere und die Lethargie ansingen, überträgt sich als positive Energie auf das Publikum. […] Es ist eine Landnahme, die von Station zu Station besser funktioniert und auch die Dessauer Museumskreuzung, das Rathaus-Center und schließlich das Alte Theater erreicht. Dort endet dieser ersten Tag der neuen Ära mit einem Stück nach Einar Schleef, dessen Titel “Abschlussfeier” wie ein Paradoxon wirkt.« (ANDREAS HILLGER | 03.10.2009 | Mitteldeutsche Zeitung)
»Einen Anstaltstag lang darf das Publikum an deutschen Melodien, welche die deutsche Geschichte schrill illustrieren, lustvoll leiden. […] Schon der Therapiesong aus Guruhand zeigt süßlich dröge, wie offen die geschlossene Abteilung eigentlich ist. Willkommen im Irrenhaus zur Einzel-Therapie, welche en passant auch die Neuen im Schauspielensemble vorstellt. […] Auch der Chor der Idioten klingt nahezu berufen, nicht erst zur coupletselig rasanten Zugabe „Meine Freiheit, deine Freiheit“ von Georg Kreisler. Aus der Kaiserhymne stieg Kersjes in lichte, knabenhafte Höhen, aus denen gut zu fallen ist, hinein in ein ohnehin klinisch rein gestaltetes Foyer, welches Ausstatter Konrad Schaller nahezu beauftragt, das Bild auf geschlossene Engelhemdchen und handelsübliche Unterhosen zu beschränken. Die Musiker Benjamin Schultz und Oli Schneider leisten diskrete und solide Pflegedienste zur gellend brachialen Demaskierung der Gesänge. Und wenn es noch schriller wird, ahnt man, dass die deutsche Geschichte schwer zu überzeichnen ist.« (THOMAS ALTMANN | 10.10.2009 | Mitteldeutsche Zeitung)
»“Wir haben uns über die Musik an die deutsche Geschichte herangebissen”, erklärt Krzystof Minkowski seine Inszenierung. Als Handlungsrahmen hat er sich eine psychiatrische Anstalt erdacht, in die eine neue Ärztin kommt, um die Patienten mit einer Musiktherapie zu behandeln. “Es ist also kein reiner Liederabend, sondern ein Theaterabend, bei dem man gerne singt”, so der Regisseur, der verschiedene Situationen auf die Bühne bringt, die Darsteller typisiert, Eskalationen entstehen lässt. “Man merkt dann sehr schnell, dass Musik auch ein gefährliches Mittel sein kann. Das Gemeinschaftsgefühl beim Singen entwickelt einen großen Sog, dem man sich schwer entziehen kann”, hat Minkowski erkannt.« (ILKA HILLGER | 01.10.2009, Mitteldeutsche Zeitung)
»Drei Schwestern« nach A. Tschechow (Teatr Norwida | Jelenia Góra | 2009)
»Es wird sicherlich viele geben, die Alarm schlagen, die sagen werden, das ist nicht Tschechow, und dass man junge Menschen nicht zu einer Inszenierung einladen soll, in der sich ein Schauspieler auf der Bühne auszieht und in der die langsame, alte und poetische Welt Tschechows sich in Verfolgung, Lärm und einen spastischen Anfall zwischen Lachen und Weinen verwandelt hat. Doch sollte man sich nicht lieber die Frage stellen: Ist das nicht das, was unsere Welt ausmacht?« (Nowiny Jeleniogórskie online, 19. März 2009)
»Es gibt gute Momente in dieser Inszenierung von ‚Drei Schwestern’, besonders jene, die auf unserer Realität in Jelenia Góra basieren. Es ist eine Provinzstadt, durchsetzt von Langeweile, jeder kennt jeden und überallhin ist es eine lange Zugfahrt. Das alles erinnert sehr stark an die Hauptstadt des Riesengebirges. Auch in ‚Drei Schwestern’ gibt es den Stadtratsvorsitzenden (gespielt von Robert Duzik) und den Bürgermeister, der eine Abschiedsrede für die Offiziere hält und einen Oberst, der währenddessen weiterfrisst.« (TEJO, Jelonka.com, 13. März 2009)
»Und es gibt Theater, dass die heutigen Zustände attackiert. Manchmal brutal – wie z.B. durch Krzysztof Minkowski, der Tschechows ‚Drei Schwestern’ in moderne Kostüme steckt, den Samowar und die sentimentale Poesie aus dem Fenster schmeißt – durch gewaltsame Szenen und sinnlose Absonderlichkeiten, die gegen den guten Geschmack gehen, um zu fragen, was mit uns, mit unserer Sensibilität, unserem Humanismus passiert.« (Barbara Hirsz, Warschauer Trybuna, 29. Mai 2009)
»So beautifully acted – a stark, bare-stage, modern dress of Three Sisters – that understanding the words almost seemed a superfluous extra detail.« (Andrew Haydon, www.guardian.co.uk, 31. Juli 2009)
»we are camera. jasonmaterial« von Fritz Kater (Teatr Norwida | Jelenia Góra | 2008)
»Ich hab mich totgelacht bei der grandiosen Antwort des finnischen Rezeptionisten, gesprochen mit einem wunderbaren Akzent von Robert Mania. Diese schlagfertige Antwort lautete ungefähr so: “I’m not Hitler, I give you the room”. Manche Debuts lassen alle Glocken in der Stadt läuten, andere bleiben im Bereich des Schultheaters. Minkowskis Farce in Jelenia Góra zeigt, dass der junge Regisseur ein Gefühl für Humor und Stil hat. Er kämpft um nichts, er beleidigt niemanden, er bringt nichts durcheinander. Ist das viel oder wenig für den Anfang? Sehen sie selbst!« (Jacek Wakar| Dziennik| 13. Juni 2008)
»Die Schauspieler sind perfekt aufeinander abgestimmt, das Ganze läuft rhythmisch und rasant. Minkowski bricht kein Tabu, provoziert nicht, aber trotz der Komik werde ich eine Szene nicht vergessen, in der John mit der Seife in der Hand über nackte Juden in der Gaskammer spricht. […] Minkowskis Inszenierung, der mit dem Text von Fritz Kater auf dieser Seite der Oder sein Debut feiert, ist in seinem Konzept zweifellos konsequent.« (Wojciech Wojciechowski, Nowa Siła Krytyczna, 19. Juni 2008)
»Die Reiherkönigin. Ein Rap« von D. Maslowska (Maxim Gorki Theater | Berlin | 2008)
»Der aus Polen stammende Regieabsolvent Krzysztof Minkowski hat ‚Die Reiherkönigin‘ im Maxim Gorki Theater für die Bühne bearbeitet und inszeniert. Gespielt haben Studenten des vierten Studienjahres.Sie haben ganz auf die Persiflage aufgesattelt und richtig fette Farben aufgetragen. Vor den grüngelben U-Bahnkacheln von Konrad Schaller geben sie das Ganze weniger als Rap denn als Volldampfschlager-Revue, mit falschen Zähnen und echten Schwabbelbäuchen, viel lustigem Chorgesang und kunstfertigen Genretönen.« (Petra Kohse, Nachtkritik, 07. März 2008)
»In der Inszenierung kommt es – wie im Roman – sehr auf die Sprache an. Krzysztof Minkowski hat nicht nur Dialoge, sondern auch Erzählpassagen des Buches wortgetreu übernommen und gestattet es seinen Akteuren nur selten, die Situation spielerisch auszumalen. Die Texte sind auch so bildstark genug. “Rap” steht als Genrebezeichnung über der Inszenierung. Doch das heißt nicht, dass die Schauspieler im HipHop-Takt singen. […] Die Inszenierung hat – wie der Roman einen doppelten Boden. Auf den ersten Blick erscheint sie vulgär, zynisch und auch oberflächlich – doch dann wird klar, dass sie eine vulgäre, zynische und oberflächliche Gesellschaft abbildet. […] Der junge Regisseur ist zurzeit noch Student am Regieinstitut der Schauspielschule “Ernst Busch” und legt “Die Reiherkönigin” seine Diplominszenierung vor. Man muss kein Hellseher sein, um zu prophezeien, dass man von ihm auch später noch hören wird. « (Oliver Kranz, RBB Kulturradio, 06. März 2009)
Radio Multikulti
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»Discopigs« von E. Walsh (Nordharzer Städtebundtheater | 2007)
»Bemerkenswerte Schauspielerleistungen erlebt das Publikum in diesem 60-Minuten-Schauspiel. Hessel wirkt dort besonders stark, wo sie ihren Körper bis in die aufgerissenen Augen sprechen lässt, wenn sie regungslos am Bühnenrand sitzt und den sexuell aufheizenden Worten Pigs lauscht. Und Tramsen, der Brutalo, der den Typen zusammentritt, der seine Runt in der Disco anbaggert, offenbart an anderer Stelle Sinnlichkeit und Gefühl, wenn er seine Märchenprinzessin mit Kosenamen überschüttet. Doch das Leben schlägt das Märchenbuch zu und piekt das gemeinsame Luftschloss an.« (Uwe Kraus, Mitteldeutsche Zeitung, 6. November 2007)
»Da gibt es, beim Besuch einer Spießbürgerkneipe, eine krasse Heino-Parodie, deutschnationalen Fußballmief in Hitlerattitüde, eine witzig böse Mozartparodie als Attacke wider das Kulturestablishment… Das alles ist von der Regie mit lokalen Befindlichkeiten aktuell gewürzt, hat ungemeines Tempo in verstümmelt urwüchsiger, brachial saftiger Sprache, deren Entschlüsselung vor allem dem etwas reiferen Zuschauer höchste Konzentration abfordert. […] Eine brachiale Explosion für Auge, Ohr, Hirn und Herz – nicht nur für Jugendliche – und mit begeistertem Applaus gefeiert. Hingehen, angucken!« (Jörg Loose, Halberstädter Volksstimme, 2. November 2007)
»Thomas Ostermeier setzte 1998 im Malersaal des Hamburger Schauspielhauses bei seiner Inszenierung von „Disco Pigs“ auf die gewalttätige Energie seiner Figuren und auf ein atemberaubendes Spieltempo. Sein Regie-Schüler interessiert nun am Nordharzer Städtebundtheater viel mehr, warum eine so intensive Freundschaft zwischen zwei Menschen auseinandergeht. […] Dem Regisseur gelingt es, diese Geschichte aus der Authentizität Irlands und seiner Landschaft am Meer heraustreten zu lassen. Sie kann hier und heute, nebenan und unter uns spielen und das nicht nur, weil in den Erlebnis-Erinnerungsspielen von Pig und Runt solche Sätze wie „Hau ab, schwule Theatersau“ unvermittelt an die nächtlichen Gewalttätigkeiten im August 2007 in Halberstadt gegenüber Schauspielern des Theaters erinnern. […] Kann Theater mehr leisten?« (Dr. Herbert Henning, Volksstimme, 1. November 2007)