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“Moja Prywatna Apokalipsa/My Private Apocalypse”

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von Krzysztof Minkowski, Wojtek Zrałek-Kossakowski, Marta Malikowska

Wir schreiben das Jahr 2030: Die EU hat aufgehört zu existieren, Europa ist endgültig nach rechts gekippt. Die national-konservativen Parteien haben die Macht in der bisher sogenannten Freien Welt übernommen. Alle staatlichen Institutionen, Gerichte, Medien, Militär und Kulturinstitutionen sind unter ihrer Kontrolle gleichgeschaltet. Natürlich sind die Grenzen dicht, Tausende ertrinken im Mittelmeer und verhungern vor den Toren Europas. Alle Menschen innerhalb der Festung werden umfassend durch den Staat überwacht. Jeglicher Widerstand, jede Regierungskritik wird mit langen Gefängnisaufenthalten oder der Todesstrafe geahndet. Opposition findet nur noch heimlich statt. In den Katakomben des Warschauer Kulturpalastes gibt es heute ein konspiratives Konzert, bei dem sich der polnische Widerstand versammelt. Wie die Solidarnosc die sowjetische Vorherrschaft von Polen aus stürzte, so soll auch hier und heute eine neue Keimzelle der Gegenbewegung begründet werden, die sich in ganz Europa verbreiten wird. Die Frontfrau der Band Moja Prywatna Apokalipsa führt die Versammlung an. Sie wird toben, brennen und zu Gewalt verführen. Und sie will jeden im Raum für ihre Gedanken gewinnen.  Nach dem politischen Wirbel um Krzysztof Minkowskis Inszenierung O dwóch takich co ukradli księżyc (Die zwei Monddiebe) in der Spielzeit 2016/17 kehrt die Warschauer Ausnahmeschauspielerin Marta Malikowska mit Punk zurück ins Studio Я. Ihr dystopisches, performatives Konzert konfrontiert uns mit der Frage, wann die demokratischen Mittel erschöpft sind, sich gegen menschenverachtende Politik zu stellen. Wann ist es zu spät, die Welle aufzuhalten? Unter welchen Umständen ist politische Gewalt gerechtfertigt? Und wo sind die Grenzen des politischen und künstlerischen Protestes?

Premiere am 28. September 2018 am Maxim Gorki Theater

“Die bitteren Tränen der Petra von Kant”

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von Rainer Werner Fassbinder

Der 1945 in Bad Wörishofen geborene Autor und Regisseur Rainer Werner Fassbinder ist als genauer Chronist des aufblühenden Nachkriegsdeutschlands dank seiner provokanten Gesellschaftssicht heute bestechend aktuell. Mit durchdringendem Blick zerlegt er die schönen Fassaden einer kapitalistischen Gesellschaft und findet dahinter Kälte und Ausbeutung. Petra von Kant steht nach Jahren harter und ehrgeiziger Arbeit dort, wo sie immer hinwollte: Sie ist eine gefragte Mode- designerin. Doch selbst der größte Erfolg kann Petra nicht erfüllen. Sie hat eine dramatisch gescheiterte Ehe zu verkraften, fühlt sich leer und ausgebrannt und flüchtet in den Alkohol. Als die junge Karin Thimm bei Petra auftaucht, scheint eine Veränderung möglich. Fasziniert stürzt sich Petra auf die junge Frau und entwickelt regelrecht obsessive Gefühle für sie. Mit Luxus und der Aussicht auf Erfolg als Model versucht sie das Mädchen an sich zu binden. Doch Karin wird die Beziehung schnell zu eng, und sie verlässt Petra…Fassbinder zeichnet in seinem Kammerspiel (1972) eine faszinierende und schillernde Frauenfigur vor den Trümmern ihrer gesellschaftlichen Existenz. Petras glamouröses Leben entpuppt sich als ein kaltes Gefängnis. Jeder Versuch, Liebe zu leben, wird ihr zur Abhängigkeit, Obsession oder Verletzung. DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT ist Gesellschaftssatire und Melodrama, aber auch eine Versuchsanordnung über die verschiedenen Möglichkeitsformen menschlicher Beziehungen.

Premiere am 5. April 2019, am Landestheater Schwaben