O dwóch takich, co ukradli księżyc (Die zwei Monddiebe)

MonddiebePresseFotosFilm

MythenDerWirklichkeit1_MG_5359© Ute Langkafel MAIFOTO

Herzlich Willkommen an Board des polnischen Regierungsflugzeugzeugs Tupolew Tu-154M vom Warschauer Flughafen „Chopin“ nach Smolensk. Unter den Passagieren befinden sich der polnische Präsident Lech Kaczynski mit seiner Ehefrau, zahlreiche Abgeordnete des Parlaments, Regierungsmitglieder, hochrangige Offiziere,  Kirchenvertreter, leitende Vertreter von Zentralbehörden sowie Vertreter von Verbänden der Opferangehörigen des Massakers von Katyn. Ihre Stewardess Beata wird Sie auf dem Flug begleiten und für Ihr Wohlergehen sorgen. Sie wird Ihnen das Märchen „Die zwei Monddiebe“ erzählen, in dessen filmischer Adaption die Zwillinge Lech und Jarosław Kaczyński als Kinder die Hauptrollen spielten, Sie von der polnischen Gastfreundschaft überzeugen und mit traditioneller polnischer Küche verwöhnen. Beata freut sich sehr darauf, Sie zudem über die wunderbaren Reformen in Polen zu informieren, die durch die neue Regierung nun möglich sind. Schließen Sie Ihren  Sicherheitsgurt und genießen Sie Ihren Flug mit musikalischen Delikatessen, filmischer Untermalung und einer patriotischen One-Woman-Show.

Regie Krzysztof Minkowski, Text Krzysztof Minkowski/Wojtek Zrałek- Kossakowski/Marta Malikowska, Übersetzung aus dem Polnischen Krzysztof Minkowski, Bühne & Kostüme Konrad Schaller, Sound/Musik Wojtek Zrałek-Kossakowski, Video Krzysztof Minkowski, Dramaturgie Wojtek Zrałek-Kossakowski/Tobias Herzberg, Schauspiel Marta Malikowska

Premiere am 8 Oktober 2016 am Maxim Gorki Theater in Berlin

Fernsehbericht:


© RBB Fernsehen

Pressespiegel:

“Zum Auftakt inszeniert Krzysztof Minkowski den gegenwärtigen Rechtsruck in Polen in lockerer Auseinandersetzung mit dem Märchenfilms “Die zwei Monddiebe”. Dessen kindliche Protagonisten – die Zwillinge Jacek und Placek, die den Mond stehlen wollen, um nie wieder arbeiten zu müssen – wurden 1961 frappierenderweise von Lech und Jarosław Kaczyński verkörpert. Die Koinzidenz liefert dem knapp fünfzigminütigen Solo ein Sprungbrett in heutige Vorstellungen von “Heimat”, wie sie die katholisch konservative Kaczyński-Partei “Recht und Gerechtigkeit” in Polen proklamiert. Mit wohlgetimter Wandlungsfreude bewegt sich die furiose Marta Malikowska in dieser One-Woman-Show durch EU-Skepsis und Heimatwehrideologie der Politeliten. Instruktiv und packend.”
www.nachtkritik.de, 09.10.2016

“Eine Plattform dafür schafft neben weiteren Premieren, Gastspielen und Hintergrundgesprächen zum Thema „Reclaiming Democracy“ auch die Reihe „Mythen der Wirklichkeit“. In der lief zum Auftakt das furiose polnische Stück „Die zwei Monddiebe“ von Regisseur Krzysztof Minkowski. Performerin Marta Malikowska erzählt darin entlang des titelgebenden Märchens – das einst mit den kindlichen Kaczynski-Zwillingen verfilmt wurde! – vom Polen der Gegenwart, einem Land, in dem „Recht und Gerechtigkeit“ einen mindestens zwiespältigen Beiklang bekommen haben. Den schönen Wörtern ist heute eben weniger denn je zu trauen. Siehe Demokratie.”
Tagesspiegel, 09.10.2016

“Bis zum Absturz bei Smolensk werden wir mit Wodka und einem Kulturprogramm versorgt. Es laufen Ausschnitte aus dem Film „Die Monddiebe“ (1962). Die beiden so aufgeweckten wie arbeitsscheuen und lausbübischen Titelhelden Jacek und Placek werden von den damals 12-jährigen Kaczynski-Zwillingen gespielt. Kommentiert wird das Ganze von einer unbezähmbar ausdrucksreichen Stewardess (Marta Malikowska), die uns Flugzeuginsassen mit Verschwörungstheorien, katholischen Hasspredigten, Gebeten für Großpolen, finsterstem Heimatgedöns die Zeit verkürzt, bevor wir alle in Absturzkrach und Qualm verschwinden. Polen schaffe seine Demokratie ab; zuerst habe die Justiz ihre Unabhängigkeit hergeben müssen, dann die Medien, nun sei die Freiheit der Kultur dran. „Wir haben Angst“, steht da, als der Nebel sich verzogen hat. „Wir brauchen eure Solidarität.“ Ein triumphaler Applaus − der das Absturz- Gedonner noch übertönte − war die Antwort. Schon diese Festival- Nebenreihe „Mythen der Wirklichkeit“ im Gorki-Studio eröffnete mit einer politischen Dringlichkeit und kämpferischen Widerborstigkeit, die Theater hierzulande zuletzt kurz vor der Wende einmal hatte”
Berliner Zeitung, 10.10.2016